|
Inhalt:
Am 6. Juni 1971, einen Tag nach den letzten Spielen der Bundesligasaison
70/71 platzte die Bombe. Die Offenbacher Kickers waren abgestiegen, weil
Arminia Bielefeld am Vortag mit einem 0:1-Sieg über Hertha doch noch
den Bundesligaerhalt geschafft hatte. Jetzt präsentierte Gregorio
Canellas, Präsident der Offenbacher Kickers, der Presse Tonbänder
von Telefongesprächen, in denen Spieler von Hertha BSC Geld für
einen Sieg über Arminia Bielefeld verlangten. Bielefeld hätte
schon ein gutes Angebot für eine Niederlage gemacht.
Die Öffentlichkeit war geschockt. "Unsere Jungs", die Sportler,
Vorbilder der Jugend, Beispiele für ein sauberes, ordentliches Deutschland
- die sollten korrupt sein?.
Die Sportpresse und der DFB attackierten prompt vor allem Canellas als
Schieber und schlechten Verlierer, der jetzt aus Rache den gesamten Fußball
in den Dreck ziehe.
Doch bald wurde deutlich, dass es sich hier nicht um einen Einzelfall
handelte. Arminia Bielefeld hatte noch mehr Siege gekauft. Ein ganzer
Sumpf von Schiebungsverhandlungen, heimlichen Geldtransfers und Absprachen
in der Bundesliga wurde deutlich.
Die DFB-Oberen versprachen jetzt rückhaltlose Aufklärung und
strenge Bestrafung. Die verbandsinterne Gerichtsbarkeit verhängte
Sanktionen gegen Vereine, Funktionäre und Spieler. Hart bestraft
wurden dabei auch diejenigen, die den Skandal aufgedeckt oder ihre Beteiligung
gestanden hatten. Ein neuer Sumpf bildete sich, Leute, die sich vorher
gegenseitig beschuldigt hatten, schwiegen nun beharrlich gemeinsam, vor
den Verbandgerichten wurde ungestraft gelogen, dass sich die Balken bogen,
Zeugen wurden bedroht und gekauft, die Ermittlungen liefen sich schließlich
tot, und viele fragwürdige Vorgänge blieben unaufgeklärt.
Dennoch erklärten die DFB-Funktionäre die Affäre rechtzeitig
vor der Fußballmeisterschaft 1974 für beendet. Ab 1973 wurden
in schneller Folge die meisten gesperrten Spieler und Funktionäre
begnadigt, die Geschichte kochte allerdings noch einmal hoch, als Schalke-Spieler
1975 wegen Meineids vor einem regulären Strafgericht angeklagt und
recht milde bestraft wurden.
Der DFB schuf als Konsequenz
aus dem Debakel die 2. Bundesliga. Bis dahin hatte es nur eine Profiliga
gegeben. Das hieß, dass ein Abstieg aus der Bundesliga für
einen Verein und seine Spieler automatisch katastrophale finanzielle Folgen
hatte, und die Angst vor diesem Absturz war das wichtigste Motiv hinter
den Spielmanipulationen gewesen. Mit der Umstrukturierung gestanden die
DFB-Funktionäre ein, dass Fußball ein Geschäft ist, das
nicht mehr nach den Regeln für Amateurkicker gemanaged werden kann.
In dem Film kommen Spieler,
Funktionäre, und Fans zu Wort. Sie erzählen, wie und warum damals
geschoben wurde, - und wie sich die Fußballwelt dadurch veränderte.
|