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Inhalt:
Der Film war Teil einer Reihe des SFB über Grenzstädte.
Zittau liegt im Dreiländereck zwischen Polen, der Tschechischen Republik
und Deutschland, und uns interessierte vor allem, wie die Bewohner der
Stadt mit dieser Grenzlage umgehen.
Zittau lockt Touristen mit einem hübschen, alten Stadtkern
und liegt in einer sehr schönen Landschaft. Die Stadt mit ihren 32000
Einwohnern hat aber auch reichlich Probleme: Nach der Wende ist die traditionelle
Textilindustrie zusammengebrochen, und auch der Fremdenverkehr läuft
nicht mehr so wie zu DDR-Zeiten. Die Arbeitslosigkeit ist hoch.
In der offiziell verkündeten Politik wird die Lage
im Dreiländereck als eine Chance für die Stadt dargestellt,
sprach man damals aber mit den Lokalpolitikern, hört sich alles ganz
anders an. Da wurde die Nachbarschaft vor allem als Problem gesehen. Die
Angst vor illegalen Grenzgängern ging um, vor der billigen Konkurrenz
aus Tschechien und Polen, und der Bürgermeister der Stadt sinnierte
vor der Kamera darüber, daß die Polen jenseits der Grenze ja
eigentlich gar keine richtigen Mitteleuropäer seien, sondern aus
der Ukraine usw. hier angesiedelt worden wären. In einem Klima wechselseitiger
Vorbehalte blieben grenzüberschreitende Probleme ungelöst.
Eines dieser Probleme war die Braunkohlengrube und das Kraftwerk
Turow auf der polnischen Seite. Die gigantische Tagebaugrube reicht bis
auf ein paar Meter an den Grenzfluß Neisse, in den Dörfern
am Fluß haben die Häuser Risse, und die tektonischen Verschiebungen
bedrohen auch das mittelalterliche Zittauer Stadtzentrum. Kommt der Grubenrand
irgendwann ins Rutschen, wird es ab Zittau keine Neisse mehr geben, -die
füllt dann die nächsten Jahre den Braunkohletagebau auf.
In Zittau mühte
sich ein rühriges Multikulturelles Zentrum um grenzüberschreitende
Kontakte, doch der Erfolg im Alltag hielt sich in Grenzen. Vor allem das
deutsch-polnische Verhältnis warvon wechselseitiger Abneigung geprägt.
Man ging zwar über die Grenze und kaufte auf dem Polenmarkt ein,
aber damit hatte es sich auch. Als wir mit dem Team auf polnischer Seite
drehten, empfanden viele Polen schon das als Provokation. Mehrmals wurden
uns Prügel angedroht. Ein bißchen besser sah es beim deutsch-tschechischen
Verhältnis aus. In Hradek, ein paar Minuten mit dem Zug von Zittau,
konnte man in den Gastwirtschaften auch deutsch-tschechisch gemischte
Tischrunden bobachten.
Verschlechtert wurde
das Klima auch durch die rechte Szene in Zittau. Die rechten Jugendlichen
griffen Ausländer in der Stadt an. Als wir dort waren, wagten sich
afrikanische Studenten der Hochschule für Technik,Wirtschaft und
Sozialwesen in Zittau (heute Hochschule
Zittau / Görlitz) nur in Gruppen aus dem Wohnheim. Gelegentlich machten
Skinheads an der Neisse Jagd auf illegale Grenzgänger, und zur Zeit
der Dreharbeiten brachen sie immer wieder brutale Auseinandersetzungen
mit den linken Zittauer Hausbesetzern vom Zaun.
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